Sexuelle Identität und Orientierung

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Soll ich mich outen?

Hast du gemerkt, dass du dich von Menschen deines eigenen Geschlechts angezogen fühlst?

Bist du oder warst du schon einmal in jemandem vom gleichen Geschlecht verliebt? Denkst du darüber nach, heraus zu treten, also zu deiner Homo- oder Bisexualität zu stehen?

Oder bist du in einem Konflikt mit dir selbst, weil du spürst, dass du homosexuell bist und gleichzeitig weisst, dass du mit deiner sexuellen Orientierung einer Minderheit angehörst? Oder fühlst du dich unwohl, weil du gehört hast, dass an deiner Schule, bei dir zu Hause, in den Medien oder sonst in der Gesellschaft negativ über Homosexualität geredet wurde?

Gute Broschüren

Setze dich mit den Vor- und Nachteilen eines Coming-outs und wie du vorgehen kannst wenn du dich outen willst auseinander. Wertvolle Informationen findest du in diesen Broschüren, die du herunterladen kannst:

Es gibt auch Informationsbroschüren, die sich an die Eltern homosexueller Kinder richten:

Innere Spannung und Zerrissenheit

Vielleicht verdrängst und verleugnest du deine Neigung vor dir selber und denkst: 'Nein, das kann nicht sein. Ich bin nicht so. Ich will nicht so sein!'.

Mit der Zeit wirst du dir eingestehen müssen, dass du deine Gefühle und Vorlieben hast, egal ob du sie willst oder nicht. Sie sind einfach da. Entweder du stehst zu deinen homosexuellen Gefühlen oder du lebst in ständiger Spannung oder bist gezwungen, ein Doppelleben zu führen.

Bei den einen Homosexuellen dauert es sehr lange bis sie den Schritt des Coming-out wagen. Einige schaffen es nicht, schämen sich für ihre Sexualität, verleugnen sich. Es gibt auch jene, die seelisch oder körperlich krank werden, wenige begehen sogar Suizid.

Andere schaffen den Schritt des Coming-out und führen danach ein glückliches un erfülltes Leben.

Fazit: Wenn alle Vor- und Nachteile abgewägt werden, lohnt sich auf langfristige Sicht ein Coming-out meistens. 

Vor- und Nachteile eines Coming-outs

Das Coming-out ist mit grossen Vorteilen verbunden und in den meisten Fällen hat es auf lange Sicht positive Auswirkungen auf dein Leben. Dazu gehören:

  • Du musst dich nicht mehr verstecken und kannst ganz zu dir und deinen Gefühlen stehen.
  • Du musst keine Ausreden mehr erfinden und kannst offen und ehrlich zu den anderen sein.
  • Du triffst eher auf gleichgesinnte Menschen.

Das Coming-Out ist auch mit einigen Nachteilen verbunden, die normalerweise mit der Zeit seltener auftreten oder an Wichtigkeit verlieren:

  • Du wirst Vorurteilen begegnen und durch gewisse Reaktionen wahrscheinlich verletzt werden.
  • Deine Eltern, Geschwister und Freunde werden möglicherweise einige Zeit brauchen, bis sie mit der neuen Situation umgehen können.

Wie funktioniert ein Coming-out

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, sich zu outen. Der Weg zum Coming-out kann z.B. langsam und in kleinen Schritten gegangen werden, oder schnell, von einem Tag zum anderen, geschehen. Jede Person muss für sich selbst entscheiden, wie sie es anpacken will.

Die meisten sprechen das erste Mal mit dem besten Freund oder der besten Freundin oder mit einem Elternteil darüber und informieren in einem zweiten Schritt z.B. die Schulklasse oder die ganze Familie.

Wichtig für ein Coming-out ist, dass du, bevor du nach aussen trittst, deine Gefühle bereits vor dir selber so weit akzeptiert hast, dass du auch negative Reaktionen ertragen kannst. Dann wird es dir leichter fallen, mögliche Verletzungen zu verarbeiten. Und du bist in der Lage, selbstbewusst zu dir und deiner sexuellen Orientierung zu stehen, was auch deinem gegenüber hilft, die eigene Unsicherheit zu überwinden.

Coming-out bei Freunden

Freund/-innen sind Personen, denen du dich vermutlich am ehesten anvertrauen magst. Wahrscheinlich ist am Anfang ein Gespräch im kleinen Rahmen einfacher als in einer Gruppe von Freunden.

Beachte, dass Freund/-innen des gleichen Geschlechts nach deinem Coming-out vielleicht irritiert oder verwirrt reagieren.

Es ist möglich, dass sie deine gleichgeschlechtliche Orientierung auf sich beziehen und sich fragen, ob bei eurer Freundschaft von deiner Seite sexuelle Gedanken mit im Spiel sind oder waren. Räume deshalb beim Coming-out von Anfang an Missverständnisse aus und erkläre den betreffenden Personen, wie du zu ihnen stehst.

Falls möglich, vermeide, den ersten Schritt nach Aussen bei der Person zu machen, in die du verliebt bist. Das könnte unter Umständen zu einer herben Enttäuschung werden und dich für weitere Schritte verunsichern.

Coming-out bei Eltern

Vielleicht fragst du dich, wann der richtige Zeitpunkt ist, um es den Eltern zu sagen. Vielleicht fürchtest du dich vor ihrer Reaktion.

Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht, wahrscheinlich aber Momente, die besser geeignet sind als andere. Zum Beispiel ist es nicht ratsam, Eltern zu informieren, wenn ein Streit im Gang ist oder wenn sie besonders gestresst sind. Hingegen könnte ein Moment der Ruhe und Entspannung eine gute Zeit sein, um sich zu outen.

Wenn du dich schon einem Freund/einer Freundin anvertraut hast, kannst du vielleicht mit ihm/ihr vorgängig besprechen, wie du vorgehen könntest. Und sollte es zu einem Streit kommen, kann er/sie dir beistehen.

Die Reaktion der Eltern kann ganz unterschiedlich ausfallen. Einige sind äusserst verständnisvoll, andere können es nicht fassen, sind schockiert oder werden sogar aggressiv. 

Wenn Eltern negativ auf das Coming-out reagieren

Weshalb gibt es Eltern, die manchmal negativ auf ein Coming-out reagieren?

Genauso, wie es für einige Betroffene am Anfang schwierig ist, mit dem eignen Schwul- oder Lesbisch sein umzugehen, ist es für die Eltern schwierig, den gleichen Prozess zu bewältigen.

Vielen Eltern fällt es schwer, Homosexualität mit ihrem Kind in Verbindung zu bringen. Durch die neue Situation werden sie gezwungen, ihre Vorstellungen und Werte zu überdenken und sich mit dem Thema sexuelle Orientierung auseinanderzusetzen.

Vielleicht haben sie ein negatives Bild von Schwulen und Lesben und sind plötzlich mit etwas konfrontiert, dem sie bisher ausgewichen sind oder das sie nur aus der Ferne beurteilt (vielleicht sogar verurteilt) haben.

Es lässt sich niemals voraussagen, wie die Eltern reagieren. Die Zeit nach dem Coming-out, und wie sich die Beziehung zu den Eltern entwickelt, ist bei jeder Person anders.

Das sollte dich jedoch nicht davon abhalten, den entscheidenden Schritt zu tun, schliesslich ist es dein Leben.

Die Ängste und Probleme der Eltern

Auch wenn Eltern eine offene Einstellung gegenüber Homosexualität haben, können sie anfänglich mit Verunsicherung reagieren. Mögliche Gründe:

  • Vielleicht haben sie Angst, dass ihr Kind von Freunden, Kollegen, Verwandten oder Unbekannten abgelehnt werden könnte.
  • Vielleicht befürchten sie, dass das eigene Kind als Erwachsene/r ein einsames Leben führen muss.
  • Vielleicht haben sie Angst vor Geschlechtskrankheiten, wie HIV/Aids, die immer noch stark mit Schwulen in Verbindung gebracht werden.
  • Vielleicht fühlen sie sich schuldig und glauben, dass sie in ihrer Erziehung etwas falsch gemacht haben.
  • Vielleicht denken sie auch an sich selbst, befürchten z.B. nie Grosseltern zu werden, eine Befürchtung, die übrigens heute gar nicht mehr begründet ist, weil immer mehr schwule und lesbische Menschen Familien gründen.

Willst du deine Eltern unterstützen? Dann gebe ihnen die Website www.fels-eltern.ch an. Dort finden sie Informationen, Erfahrungsberichte und Adressen von Beratungsangeboten. Es kann auch eine Broschüre für Eltern von gleichgeschlechtlich liebenden Kindern bestellt werden.

Wie es andere getan haben

Interessant zu lesen sind Erlebnisberichte von schwulen und lesbischen oder bisexuellen Jugendlichen zu ihrem Coming-out. Du findest solche z.B. unter www.eswirdbesser.ch.

Wenn du Lust hast, deine Fragen und Unsicherheiten mit jemandem zu besprechen, der / die das Coming-out bereits hinter sich hat, bist du auf der Beratungs- und Infoplattform www.du-bist-du.ch richtig. Hier kannst du Kontakt aufnehmen mit jungen Menschen, die lesbisch, schwul, bi und/oder trans* sind. Sie beantworten innerhalb von 72 Stunden gerne deine Fragen und unterstützen dich per Mail oder auch in einem persönlichen Treffen.

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